…wenn mit dem berühmten Thaismile ein falsches Spiel gespielt wird…

Bisher hatte ich mich weniger mit „alten“ Bergvölkern Asiens beschäftigt. Doch nun, nachdem ich angeblich welche vor mir hatte, fing ich das recherchieren an und war wirklich geschockt, wie viel mehr als nur dem Massentourismus dahinter steckt.

Alles fing damit an, dass ich von Chiang Mai aus einen Tagestrip nach Chiang Rai machte. Immerhin wollte ich den großen weißen Tempel, das Wat Rong Khun, sehen. Es würde noch einen Halt in einem kleinen Dorf geben sagte man mir. Da ich bereits in freilebenden Bergdörfern war, dachte ich mir nichts dabei und nickte einfach nur zustimmend. So fuhren wir also an jenem Tag nach Chiang Rai und anschließend zu dem kleinen Dorf.

Das Dorf

Nachdem wir wenige Meter der Masse folgten, erreichten wir den Eingang, bestehend aus zwei Toren, welche voller verrückter Kreaturen behängt war. Auch in den Bäumen sah man hier und dort welche. Sie sollen das Dorf vor bösen Dämonen schützen.

Es zog sich ein Weg vor uns entlang, der auf beiden Seiten mit kleinen halboffenen Strohütten besiedelt war und an einen Markt erinnerte. Tatsächlich saßen in jedem Häuschen Frauen, die jeglichen Schmuck und traditionelle Kleidung handfertigten und dort verkauften. Sie lächelten, viele von ihnen sprachen uns sogar auf Englisch an und unterhielten sich mit uns…

ABER

sie bettelten auch, drängten sich auf, ihre Sachen zu unfassbar niedrigen Preisen zu kaufen und stellten sich für Fotos in Pose, wofür einige Geld verlangten.

Es wird zugegeben, dass die Bergvölker zu den ärmeren in den eh schon armen Ländern gehören. Jedoch will man den Minderheiten helfen, indem man sie in den Tourismus mit einbindet, so sagt man. Es soll ihnen ein geregeltes und vor allem gutes Einkommen bringen, sie in die Gesellschaft mehr einbeziehen und ihnen zu einem besseren Leben verhelfen. Dass die Wahrheit jedoch komplett anders aussieht und die angebliche Unterstützung mehr zerstört als den Menschen hilf, wissen wohl nur wenige….

Hinter den Kulissen

Um es auf den Punkt zu bringen; die Dörfer sind schlechtweg für den Tourismus aufgebaut und weisen wahrscheinlich wenig Ähnlichkeit mit den Dörfern der ursprünglichen Bergvölker auf.
Jedoch bleibt den Bewohnern oftmals keine andere Möglichkeit als hier zu leben. Ihre eigentlichen Lebensräume werden durch Rodung zerstört, sie werden vertrieben und viele von ihnen sind sogar illegale Flüchtlinge aus Myanmar, die im eigenen Land politisch verfolgt werden.

[Allgemein gilt Myanmar wohl traurigerweise als eines der Spitzenreiter, die Minderheiten regelrecht vernichten (allen voran den Rohingya, die sogar bei der UNO als die am stärksten verfolgte Minderheit gilt)]

Es scheint, dass vielerlei Rechte und Gesetze bei den Bergvölkern aussetzen.
Denn ebenso wie die Flüchtlinge aus Myanmar, haben die meisten Angehörigen eines Thaibergvolkes (z.B „Akha“) weder eine Staatsbürgerschaft noch irgendeine Art von Ausweis. Das Land zu verlassen ist somit unmöglich. In Myanmar geht es teilweise sogar so weit, dass Völker einem bestimmten Gebiet zugewiesen werden und sich nicht außerhalb dessen aufhalten dürfen.

Der im Herbst 2012 festgelegte Mindestlohn von 9,000 Baht (ca. 240 Euro) pro Monat betrifft wohl die Mehrheit der Bevölkerung. Dass im Vergleich dazu ein im Ausland studierter Thai in der Technikbranche gute 80.000 (2130 Euro) bis 100.000 Baht (2670 Euro)verdient, erscheint wahnsinnig. Umso trauriger ist es, dass dieses Gesetz wohl nicht nicht für die sogenannten „Longnecks“ gilt. Denn sie verdienen gerade einmal 1.500 Baht (40 Euro) – und dass auch nur, wenn sie für genügend Touristen gesorgt haben. So ist es für diese Menschen wohl ein Hoffnungsschimmer, sich durch ein banales Foto etwas dazu zu verdienen.

Die Longnecks

… sogenannte Padaung, die den Karen angehören und somit auch als „Langhals-Karen“ bekannt sind.

Sie gelten als eines der bekanntesten geflüchteten Bergvölker Myanmars und leben nun hier in Thailand.
Besonders auffällig ist bei ihnen wohl der Halsschmuck. Die ersten Spiralen werden schon im Kindesalter angesetzt und von Jahr zu Jahr durch längere/höhere Spiralen ersetzt. Es gilt als Schönheitsideal und wird meist sogar mit Ausschließung der Gemeinde geahndet, sobald man sie absetzt.

Dass der Hals dabei gestreckt wird, täuscht allerdings. So wird unter der schweren Last (von 25 Ringen/ca. 6 kg im Erwachsenenalter) lediglich das Schlüsselbein und die Schulterblätter so deformiert und nach unten gedrückt, dass der Hals länger erscheint. Auch wenn es möglich ist, durch eine lange Prozedur die Deformierung wieder Rückgängig zu machen, weigern sich mittlerweile viele junge Frauen dem Brauch anzuschließen. Dass sie dadurch von ihrer Gemeinde ausgeschlossen werden, führt dazu, dass das Volk vom „aussterben“ bedroht ist.

Ein weiterer „Brauch“ ist es, verheirateten Frauen, die fremdgegangen sind, den Körperschmuck (die wahre „Schönheit“) abzunehmen. Da die Muskulatur durch die Spiralen jedoch dermaßen geschwächt ist, der Hals nicht mehr genug Kraft hatte um aufrecht den Kopf zu halten, sind daran auch viele Frauen erstickt.

Die Akha

…bilden eine relativ große Minderheit, die sich in Nordthailand, Laos und Vietnam niedergelassen haben.
Sie leben manchmal noch von ihren eigenen Erträgen aus der Landwirtschaft. Meist leben sie in nähe anderer Volksgruppen, sind sehr offen und handeln mit ihnen auch. Allerdings wird durch Waldrohdung der Lebensraum und auch der Platz für die Landwirtschaft immer knapper. So kommt es auch dazu, dass sie nahezu gezwungen sind, ihre Handarbeiten auf den Touristenmärkten oder eben den für Touristen gestellten Dörfern zu verkaufen.
Sie sind handwerklich sehr begabt und Einfallsreich, sodass sie auch ihre traditionellen Kleidungen selbst herstellen und zum Verkauf stellen.

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