Salam aus Marrakesh

Meine ersten Tage in Marokko

(ein kleiner Nachtrag)

Begeisterung sieht anders aus, als ich von meinen Reiseplänen nach Marokko erzählte. Alleine. Während Ramadan.

Um jeglichen Befürchtungen entgegenzuwirken möchte ich hiermit schon einmal im Voraus sagen, dass ich mich nie unsicher gefühlt habe und nein, es gab keine Angebote von 20 weißen Kamelen als Mitgift für eine Hochzeit.

Aber nun von Anfang an…
Nachdem ich nun am Samstagvormittag in Marrakesh gelandet bin, ging es für mich direkt zum großen Marktplatz, dem berüchtigten Djemaa el Fna, und den umliegenden Souks (einem rießigen Gassenlabyrinth) – auf der Suche nach meinem Hostel. Es schien mir unmöglich, was man mir scheinbar auch ansah und daraufhin angesprochen wurde. So nett und freundlich der gute Mann auch war, mir den Weg zeigte und sich mit mir freundlich unterhielt so verarscht und dumm kam ich mir vor als er für diesen Fußweg von 2minuten allen Ernstes Geld verlangte – aus Fehlern lernt man… Dass dies allerdings nicht der einzige Versuch war, mir „unnötig“ Geld aus der Tasche zu ziehen, sollte sich in den nächsten Tagen auch noch herausstellen.

Natürlich wollte ich so viel wie möglich in dieser kurzen Zeit sehen, sodass ich mich sofort auf den Weg wieder zurück zum Marktplatz und dem umliegenden wirrwarr machte. Dort verbrachte ich erst einmal Stunden in den Souks, wo etliche Händler Haushaltswaren wie Tajines, sämtliche Stoffwaren und auch Lebensmittel/Gewürze so ziemlich alles zum Verkauf stellten. Und auch wenn das wirrwarr der Souks unendlich erschien, immer und immer wieder landete ich auf dem Djemaa el Fna, der nun solangsam, gegen Sonnenuntergang, immer belebter wurde. Etliche Essstände bauten ihre Zelte auf, Schlangenbeschwörer machten es sich auf dem Boden bequem, andere liefen mit Schildkröten und Affen durch die Gegend während angehende Mediziner ihren Apothekenstand auf kleinen Decken ausbreiteten. Dass dazwischen weitere Händler Öllampen, Haushaltswaren und ähnliches verkauften und bei diesem großen Angebot überhaupt noch geschäftsfähig waren, wundert mich allerdings bis heute noch.

Es war interessant – aber auch wahnsinnig anstrengend. Nicht nur einmal, oder zweimal, nein etliche male wurde ich angequatscht ob ich nicht was kaufen möchte. Und nein, ein einfaches „No thanks“ hat hier nicht gereicht. Dass mir hinterhergerannt wurde war keine Seltenheit. Den Höhepunkt brachte allerdings eine ältere Frau noch am selben Abend, die mir Henna anbieten wollte. Laut einiger anderer reisenden/Blogs soll es in Marokko allerdings sehr gepantscht sein, woraufhin ich auch verneinte und weiterging. Dass sie mir hinterlief war schon da nichts neues mehr. Als sie jedoch meinen Arm packte und mir eine Spritze dran hielt blieb mein Herz dann allerdings dann doch kurz stehen, bis ich merkte, dass es „nur“ Henna war. Dass ich in der Hektik mit meinem Arm um mich schlug fand sie weniger witzig und ließ mich nun in Ruhe…

Schließlich wurde es pünktlich zum endgültigen verschwinden der Sonne auch für kurze Zeit sehr still auf dem Markt, keiner sprach mich (oder andere Touristen) mehr an und etwas zu kaufen schien für Interessenten unmöglich – denn nun hatte der Ramadan sichtlich sein Tribut. Alle zogen sich zu kleinen Grüppchen zusammen, aßen, beteten und vergaßen die Welt um sich herum. Gut für mich, sodass ich nun ungestört noch einmal über den Markt lief bis ich mir schließlich auch ein nettes Restaurant suchte.
Alleine der Blick auf die Karte war sehr vielversprechend. Glücklicherweise wurde ich nicht enttäuscht – auch nicht in den folgenden Tagen. Als Starter gab es grundsätzlich Oliven, sämtliche Dips und Fladenbrot, dass hier außen etwas knuspriger als gewohnt ist. Für mich persönlich war dies schon genugtuend aber gekrönt wurde das Ganze noch durch Couscous oder Tajines – Tontöpfe in denen Fleisch mit Gemüse gegart und so auch serviert wird. Dazu noch ein bisschen Minztee (der hier wirklich sehr süß ist!) und mein Mahl war perfekt!

Krass war der Unterschied zwischen dem „alleine sein“ und „neben einem Mann zu stehen“, als ich mit neuen Bekanntschaften abends noch einmal über den Markt lief; entspannt! Denn nun reichte ein einfaches „no thanks“ für jegliche Kaufangebote…

Den nächsten Tag verbrachte ich mit der Besichtigung sämtlicher Gebäude und Gärten. Dabei durfte natürlich nicht die größte Moschee Marrakeshs fehlen – die Koutoubia.

Noch hübscher fand ich jedoch die al-Mansur Moschee und ihre umliegenden Gassen.

Nachdem es ein weiteres Fressgelage am Abend gab, ging es an meinem dritten Tag gleich früh morgens für mich weiter nach Fez – mit dem Zug.

Niemals hätte ich gedacht, dass es so einfach sein würde, im Bahnhof an ein Ticket zu kommen, denn selbst die Automaten (auf Englisch, Arabisch und Französisch bedienbar) wurden von Mitarbeitern betreut. Zusätzlich weist der Bahnhof in Marrakesh nur wenige Gleise auf (ich denke es waren vielleicht 6?) und ist sehr modern, mit sämtlichen Infotafeln und ähnlichem ausgestattet. So machte ich es mir also in einem Großraumabteil gemütlich, denn eine Platzzuweisung gibt es hier nicht, und fuhr sogar pünktlich auf die Minute los!
Auch sonst war der Zug an für sich relativ modern eingerichtet und bis auf ein Bordbistro oder ähnlichem mit einem IC zu vergleichen.

…auch wenn die Fahrt 8 Stunden dauerte, so war sie sehr hübsch entlang der Berge, der Küste im Norden und den vielen Vororten der größeren Städte.

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